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Montag, 11. Juni 2012

Rhein in Flammen

Eine komplett neue Version des Textes „Wie sie Köln vernichteten“ (http://seelenwanderer.blogspot.de/2012/03/wie-sie-koln-vernichten.html), der mir einfach nicht mehr gut gefiel. Natürlich braucht es einen neuen Titel, vorerst tut es allerdings der hier.

Rhein in Flammen

Ich liege auf dem Sofa und du in deinem Bett nebenan. Tja. Das war doch eigentlich alles ganz anders geplant, eigentlich wollten wir doch einen schönen Abend zusammen verbringen doch stattdessen streiten wir. Und von so Fragen wie der, wer cooler ist, Batman oder Ironman, ging es dann zu weniger sachlichen Themen und jetzt liege ich hier und höre das Schweigen unter dem Spalt deiner Tür durchsickern und sich langsam in der Wohnung ausbreiten. Und weil mir keine gesprochenen Wörter mehr einfallen nehme ich mir einen Stift und schreibe wie wir uns wieder vertragen könnten, jetzt und sofort. Tja... Ich glaube dazu braucht es mindestens eine kleinere Naturkatastrophe im Kölner Raum, so wie du eben geguckt hast als die Tür geknallt hat. Vielleicht im Stil von Pro7-Produktionen, so leicht trashig, ein bisschen sinnloser Sex und sinnlose Gewalt könnten gerade genau richtig sein. Ok, ich brauche einen Titel: Taifun - Der Untergang Kölns. Gefällt mir nicht. Zombies - Heute stirbt Köln - zweimal. Besser, vielleicht vertragen wir uns eher, wenn alle anderen Männer untot sind, obwohl du vermutlich immer noch sagen würdest, dass denen wenigstens ein Bart wächst (Ich verfluche dich, Robert Downey Jr.). Film ab: Ich liege auf dem Sofa und mysteriös spannende Musik setzt ein. Das Radio knistert, die Bässe werden noch etwas mysteriöser und eine Sonderdurchsage wird angekündigt. Eine ernste Stimme berichtet, dass ein mutierter Grippevirus auf einem Stück Hanf gewachsen ist und im Seuchenzentrum Köln-Mitte freigesetzt wurde. Infizierte Personen sind schmerzunempfindlich, sehr langsam und extrem hungrig, außerdem neigen sie zu irrem Lachen.
Deine Tür wird aufgerissen. Ja, ich hab´s auch gehört. Ja, wir sollten aus der Stadt verschwinden. Und einen Baseballschläger mitnehmen. Gut, das Letzte, das habe ich gesagt und nicht du.
Wir treten auf die Straße und das erste was wir hören ist ein irres Lachen, zum Glück aber etwas entfernt. Ca. 200 Meter entfernt schlurft einer der im Radio beschriebenen Gestalten auf uns zu. Zugegeben, er ist schon ziemlich langsam also mach ich mir nicht alzu große Sorgen. Da schreist du plötzlich auf und ich wirbel herum. 1 Meter hinter uns steht eine sabbernde Fratze des Grauens. Ich will dich beruhigen, doch du rennst schon los, in eine kleine Gasse rein, die frei von Untoten scheint. Als ich dir hinter her renne stehe ich vor der halb fertigen Kölner Groß-Moschee, dieser Mischung aus Hagio Sophia und Pokémon-Arena. Ich sehe gerade noch wie die Eingangstür sich langsam schließt. An den Mauern kratzen haarlose Zombies mit Bomberjacken und versuchen verzweifelt die Moschee auf zu fressen. Es gelingt ihnen eher minder gut, aber anscheinend ist Nazi-Gedankengut sehr resistent gegen totalen Gehirnverlust und Mutation zum Untoten. Die Tür fällt ins Schloss und von dem Knall aufgeschreckt, fangen die Zombies langsam an sich auf die Moschee zuzubewegen. Ich kann hier nun wirklich keine Nazi-Zombies dulden, aber mein Baseballschläger kommt mir angesichts der braunen Masse ziemlich lächerlich vor. Ich gucke mich um und sehe links in einem Garten einen alten Benzinrasenmäher stehen. Ich hebe den Rasenmäher vor meine Brust, er heult laut auf und der Gestank von Benzin erfüllt die Luft. Die Nazizombies wenden sich zu mir um und ich gehe langsam auf sie zu. Der erste von ihnen begeht den Fehler an mir schnuppern zu wollen, Vrooom, da ist er schon verschwunden. Meine Augen beginnen zu leuchten als ich die Anderen sehe. Das wollte ich schon immer mal mit Pro-Köln-Aktivisten machen. 5 sehr brutale Minuten später, die in dieser jugendfreien Version rausgeschnitten sind, stehe ich von oben bis unten mit Gedärmen bedeckt vor der Moschee. Meine Umgebung ist ein Schlachtfeld. Als ich klopfe und dir sage, dass alles gut ist und die Luft rein ist, kommst du raus und siehst dich um. In diesem Moment hoffe ich, dass du dich mal nicht über den Dreck beschwerst oder darüber wie ich wieder aussehe und tatsächlich streckst du mir nur wortlos einen Autoschlüssel entgegen und gehst mit blassem Gesicht an mir vorbei.
Cut. Man sieht 2 Zombies unter einer roten Ampel stehen und ziellos umher schlurfen und lachen. Ein Dröhnen unterbricht die Stille und sie drehen sich um, um einen heran rasenden Auto entgegen zu sehen. Das Auto rast mitten durch sie durch. Im Auto schreckst du hoch und murmelst etwas von roter Ampel. "Beruhig dich", sage ich, gefilmt von rechts unten, das soll wohl dein Blickfeld sein. "Rot steht für Fortschritt, also weiterfahren. Das hat was Politisches." Du lächelst. Zum ersten Mal seit wir das Haus verlassen haben, lächelst du. "Und grün?", fragst du, "steht das etwa für Umweltschutz und Motor abstellen?" "Ja, wieso auch nicht", denk ich mir. "Fehlt nur noch gelb. Tja... gelb. Das hat irgendwie mehr so gar keine Bedeutung. Die gelbe Phase ist ja auch immer recht kurz und deutet doch eh nur darauf hin, dass es bald rot oder grün wird." Dein Lächeln wird ein Grinsen und wir fahren weiter, fahren durch leblose, aber nicht reglose Straßen, während langsam der Morgen dämmert.
Cut. Wir halten auf einem Hügel, die Stadt ist gerade noch am Horizont zu erkennen. Während hinter ihr langsam die Sonne aufgeht, brausen Militärjets über unsere Köpfe hinweg. Kurz darauf ein Lichtblitz, dann sehen wir eine pilzförmige Wolke über Köln aufsteigen. „Auf Wiedersehen, Rowdy“, sagst du traurig, Rowdy ist dein Hund. „Auf Wiedersehen, Blue Shell“, murmel ich noch, dann steigen wir wieder ein und fahren weiter, die Sonne im Rücken, während langsames Akkustikgitarrengeklimper einsetzt. Wir sind tief erschöpft, aber immerhin am Leben.
Der Abspann rollt über den Bildschirm und ich liege auf der Couch, es ist echt nicht so gemütlich, aber ich denke daran was wir alles zusammen durchstehen würden und wie wir sogar mit Zombies fertig werden würden. Und dann stehe ich auf, gehe zu deinem Zimmer und klopfe an.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Mantra


Raus. Weg. Stille. Schweigen
Rennen. Laufen. Stehen bleiben.
Ich habe keine Angst.
Ich habe keine Angst.
Ich habe keine Angst.

Heute wird alles anders. Heute wird alles anders. Heute werde ich reden, mit Menschen reden und jemanden kennen lernen. Heute werde ich nicht mehr hinten in der Ecke sitzen. Heute werden die Plätze neben mir nicht frei bleiben. Heute. Heute werde ich in die Welt lächeln. Und Heute wird die Welt zurück lächeln. Heute. Ich stehe auf, ziehe mich an und verlasse das Haus. Meine Gedanken kreisen.

Raus. Weg. Stille. Schweigen
Rennen. Laufen. Stehen bleiben.
Ich habe keine Angst.

Ich sitze im Seminar. Ich habe den Text gelesen. Ich weiß jede Antwort, aber ich sage nichts. Die Diskussion berührt mich nicht. Die Menschen neben mir, die sagen nicht einmal „Hallo“. Einmal hab ich sie gegrüßt, laut und deutlich. Ich musste mich lange konzentrieren dafür. Ich habe keine Angst. Ich habe keine Angst. Sie haben nicht geantwortet. Ihre Gesichter sind wie Steinwände. Ich sitze in einer Arena, leer ohne Zuschauer, ohne Ausgang. Wenn ich etwas sage, höre ich mein Echo. Es hallt wieder in meinem Kopf, den ganzen Rest des Tages. Hallo. Hallo. Hallo.

Raus. Weg. Stille. Schweigen
Rennen. Laufen. Stehen bleiben.
Ich habe keine Angst.
Ich habe keine Angst.

Der erste, der durch die Tür verschwindet am Ende bin ich. Schnell weg. Raus. Weg. Laufen. Ich verlasse die Arena, die kalten Wände, die Steinfratzen. Ich bin frei. In 15 Minuten Vorlesung, Ich kann Menschen zuhören. Sie unterhalten sich über das Wochenende. Sie waren auf Parties. Auf Konzerten. Auf Poetry Slams. Ich war Zuhause. Ich habe gelesen. Mich hat niemand angerufen, ich habe kaum Nummern im Telefonspeicher. Ein paar Referatspartner denen ich zugeteilt wurde. Niemand wollte, ich habe einfach zufällig neben ihnen gesessen. Ich höre einfach den Menschen um mich rum zu. Das ist ein Anfang. Stelle mir vor, sie würden mit mir reden. Ein Anfang. Immerhin. In meinem Kopf sage ich auf:

Raus. Weg. Stille. Schweigen
Rennen. Laufen. Stehen bleiben.
Ich habe keine Angst.
Ich habe keine Angst.
Ich habe keine Angst.

Ich erinnere mich als das Studium anfing. An die Hoffnungen. Alles hinter sich zu lassen, neu anfangen, die Schule vergessen, die letzte Reihe ganz am Rand. Nichts war anders. In den ersten Vorlesungen habe ich Leute kennen gelernt, die ich doch nie wieder gesehen habe. Das Lebendige am Campus ist für mich das Moos in den Ritzen der Steinwände. Die Gespräche der Anderen.

Raus. Weg. Stille. Schweigen
Rennen. Laufen. Stehen bleiben.
Ich...

Ich gehe nach Hause. Heute habe ich nicht geredet. Kein Wort. Ich liege im Bett. Morgen wird alles anders. Morgen wird alles anders. Morgen werde ich mit ihnen reden. Morgen werde ich wieder in die Welt lächeln und diesmal wird die Welt zurück lächeln. Morgen.

Raus. Weg. Stille. Schweigen.


Donnerstag, 29. März 2012

Wie sie Köln vernichten

 Das Produkt davon, dass ich ständig von Zombies träume und in letzter Zeit oft in Köln war. Wie sie Köln vernichteten in seiner extralangen, absolut Poetry-Slam-untauglichen Fassung.

Ich liege im Bett und du liegst nebenan. Das find ich gar nicht so toll. Weißt du, als du mir angeboten hast, bei dir zu übernachten, hatte ich gehofft, dass wir im selben Zimmer schlafen werden und angeregte Gespräche führen, naja, dass wir uns immerhin mental annähern, wenn wir schon in getrennten Betten schlafen müssen, aber bekanntlich kommt ja alles anders. Also liege ich hier und stelle mir vor was sein könnte, wenn sagen wir mal ein gewaltiger Sonnensturm bald die Erde trifft und alles Leben auslöscht, ihr wisst schon, so einer von diesen Roland Emmerich-Streifen, wir sind dann gerade geschieden, haben uns seit der Scheidung nicht gesehen und dein neuer Freund ist gerade gut genug dafür um uns im Flugzeug zu retten bevor er dann stirbt, was uns eigentlich beiden sehr gelegen kommt, denn so können wir wieder erkennen was wir mal aneinander hatten und ... naja der Vergleich hinkt, denn einen Freund hast du ja nicht, erst recht keinen der zufällig Flugzeug fliegen kann, sonst könnte ich dich schließlich aus meinem Kopf verbannen und aufhören über dich nachzudenken. Also vielleicht doch eher George A. Romero. Für die, die den jetzt nicht kennen, der gute Mann hat die gnazen Zombiefilme gemacht, Day of the Dead, Dawn of the Dead. Ich mein, meine Chancen wären bestimmt auch größer, wenn alle anderen Männer untot wären, obwohl du vermutlich immer noch sagen würdest, dass die sich wenigstens einen Bart wachsen lassen können. Stellen wir uns also vor.

Ich liege im Bett, das Radio knistert und ich höre die deutsche Nationalhymne im Hintergrund. Ein ernst klingender Mann redet etwas von T-Viren und Untoten und dass man auf jeden Fall Ruhe bewahren sollte.  Man hört Schüsse, dann bricht die Übertragung ab. Ich bin absolut beruhigt. Da stürmst du durch die Tür und mit meiner Ruhe ist es endgültig vorbei. Nachdem du fachkundig festgestellt hast, dass ich nicht infiziert bin, mich allerdings trotzdem leider nicht vor Angst umarmen willst, beschließen wir, dass die Regierung noch nie hilfreiche Tipps gegeben hat und verlassen das Haus. Die Straße vor uns ist wie ausgestorben, was weit weniger beängstigend ist, wenn man bedenkt, dass es 3 Uhr nachts ist, doch ein fauliger Geruch liegt in der Luft. Wir beginnen loszulaufen, laufen die Straße lang und halten Ausschau nach möglichen Infizierten.

Da erstarren wir plötzlich. Vor uns auf der Straße steht ein Mann, ob es ein Obdachloser oder ein Zombie ist, lässt sich jetzt nicht mit letzter Gewissheit sagen, doch zu diesem Zeitpunkt kann ich ehrlich gesagt keins von beidem in meinem Leben gebrauchen. Als er… es röchelnd auf uns zu kommt, hebe ich den Schirm, den ich im Haus noch schnell genommen habe und ramme ihn ihm in den Bauch. Die schlechte Ernährung oder das Mutieren zum Untoten greift anscheinend das Gewebe an, jedenfalls sinkt der Schirm halb ein und kommt aus dem Rücken des Wesens wieder heraus. Beide blicken wir angeekelt, verständlich, schließlich mag es niemand wenn sein Schirm in einem Obdachlosen steckt. Ich mache den Schirm auf. Das Ergebnis ist ziemlich fies, schleimig und überall verteilt. Als ich den Schirm sehe, vollkommen schleimverschmiert, überleg ich es mir anders und werfe ihn lieber weg. Immerhin wissen wir jetzt sicher, dass hier eindeutig etwas nicht stimmt.
Wir biegen um eine Ecke und stehen vor der halb fertigen Kölner Großmoschee, die gegen die Pro Köln, diese rechte Gruppe, monatelang protestiert hat und die aussieht wie eine Mischung aus Hagia Sophia und Pokémon Arena. Ein paar Zombies ohne Haare aber mit dicker Bomberjacke versuchen verzweifelt sie aufzufressen, sie kauen auf halb fertigen Stahlkonstruktionen herum. Anscheinend braucht man für einige Einstellungen etwas weniger Hirn als für andere. Ich kann diese Kombination aus Nazi- und Zombie Gedankengut allerdings nicht dulden. Ich gucke hilfesuchend nach links (Ja, das ist doppeldeutig). In einem halbgemähten Garten steht ein alter Benzinrasenmäher. Ich muss unwillkürlich grinsen. Manche Leute wissen jetzt was kommt. Ich hebe den Rasenmäher, er heult laut auf und der Gestank von Benzin erfüllt die Luft. Ich gehe auf die Nazizombies zu, meine Augen leuchten, als ich den ersten von ihnen zerfleische… ich denke mir jetzt mal es wäre besser die Erzählung hier abzukürzen. Schließlich geht es eigentlich gar nicht um Zombies. Es geht um dich und ok, du bist cool, aber dann doch nicht so cool, dass du dich so über das Gemetzel freuen könntest, wie ich es tue. Stattdessen sitzt du eher bleich in der Ecke und bist ziemlich fertig und ich beschließe, dass es Zeit ist aus dieser Stadt zu verschwinden.

Es ist Zeit Dinge zu tun, die man schon immer mal tun wollte, ich meine abgesehen davon untote ProKöln-Aktivisten mit einem Rasenmäher niederzumähen (Man beachte das Wortspiel), also heb ich dich heroisch vom Boden auf, Ich schwanke leicht, du bist etwas schwerer als ich gedacht habe, doch das sag ich dir jetzt besser nicht. Wenn ich so drüber nachdenke, sag ich dir das besser niemals. Wenn ich dich nicht gerade tragen muss, stört es mich ja auch nicht. Etwas weniger heroisch schwanke ich auf die nächste Haustür zu und versuche sie einzutreten. Nun vollkommen unheroisch pralle ich zurück. Die Tür lacht mich aus. Nicht wirklich, eigentlich lachst du, aber egal. „Du bleibst hier“, sage ich. Durch ein Fenster verschwinde ich ins Haus und komme eine Minute später mit den Autoschlüsseln der Bewohner zurück.

Ich überfahre in voller Fahrt eine rote Ampel und du schreckst hoch. „Hey…“, murmelst du verschlafen. Mist, dabei war ich gerade so froh, dass du eingeschlafen bist, also weise ich dich besser nicht auf unsere Situation hin, naja dass wir umgeben von Zombies sind und ich gerade 2 davon über den Haufen gefahren habe, und erkläre dir lieber, dass Rot, wie in der Politik ja auch, neuerdings für Fortschritt steht. Du murmelst etwas von grün und ich kombiniere messerscharf: Grün steht für Umweltschutz, da bleibt man stehen und im Idealfall macht man auch noch den Motor aus. Bevor du noch etwas sagen kannst, komme ich dir zuvor und sage: „Naja und gelb… puh gelb… ja das hat eigentlich gar keine Bedeutung, ich mein, die gelbe Phase ist ja auch immer sehr kurz, da fällt es schwer da einen Sinn reinzulesen.“ Noch während ich spreche, werde ich mir des eben gesagten bewusst und muss grinsen.

Auf der Fahrt durch die ausgestorbenen Straßen der Kölner Innenstadt sprechen wir kaum ein Wort und hören aus dem Radio die Cranberries. Der Song wird unterbrochen und die deutsche Nationalhymne wird ausgestrahlt. Ein Sprecher, ich komme nicht umhin zu bemerken, dass es ein anderer als zuvor ist, kündigt an, dass jeder nicht Infizierte die Stadt verlassen soll, da sie durch einen taktischen Nuklearsprengkopf zerstört werden soll. Ok, es war ca. 4 Uhr Nachts als ich meine wirklich, als ich den Text geschrieben habe, um die Uhrzeit fallen einem manchmal eben nur Atomwaffen als Antwort ein, das wird euch Ahmadinedschad bestätigen. Ich werde mal zumindest den größten Logikfehler, der euch jetzt auffallen könnte aus dem Weg räumen: Deutschland hat natürlich gar keine Nuklearwaffen. Als ob man uns nach 2 begonnenen und verlorenen Weltkriegen welche gestatten würde. Ich stell mir einfach vor, dass Frankreich uns gerne einen Sprengkopf geliehen hat, als die erfahren haben, dass er gegen eine unserer eigenen Städte eingesetzt werden soll, haben die sich bestimmt ins Fäustchen gelacht. Zurück ins Auto.

Ich fahre schneller aufgrund der Ankündigungen im Radio und bald lassen wir die Stadt hinter uns. Auf einem Hügel, so weit weg, dass die Stadt nur noch am Horizont zu erkennen ist, bleiben wir stehen und steigen aus. Und wir blicken zurück und die Stadt erstrahlt in hellem Licht und explodiert und hinterlässt eine pilzförmige Wolke am Horizont. Und wir steigen wieder ein und fahren weiter, tief erschöpft und nicht so glücklich wie erhofft, aber immerhin zusammen.

Und ich liege im Bett, es ist inzwischen halb 5, und ich denke ich mir: Eigentlich gar kein so schlechtes Ende und schlafe ein und träume davon, was aus uns werden könnte, wenn jetzt eine Zombieepedemie in Köln ausbricht.

Sonntag, 29. Januar 2012

Der rote Faden

Meine Damen und Herren, es folgt: Quatsch.


Der rote Faden

Deine Augenlider werden schwer, du wirst schläfrig. Deine Augenlider fallen zu, du schläfst ein.
Du stehst auf einem Schlachtfeld, Kugeln sirren um deinen Kopf und Ketchup spritzt an allen Seiten auf. "Lecker", denkt dein umnachtetes Gehirn, du greifst deine Waffe, ein mächtiges Gabelwehr von Spaghetti & Koch und stürmst über eine kleine Mauer auf den nächsten Schützengraben zu, springst hinein, schnell eine Brofist für den Commander, da fliegt eine Granate in Form eines Fleischbällchens in den Graben und die ganze Kompanie erstarrt. Die Zeit scheint still zu stehen. Eine vollkommene Ruhe überkommt dich, du schnappst erst nach Luft, dann nach der schmackhaften Waffe. „Commander“, sagst du ruhig, „es war mir eine Ehre mit ihnen zu dienen.“ Du reckst heroisch deine Faust gen Himmel bevor es dich von innen zerreißt und Ketchup über deine Kameraden… Schwärze.
Eine Schrift flackert vor deinem Auge auf.
COMMAND.COM
LOAD BIOS
MEMORY SET
SYSTEM STATUS
RED
Du öffnest die Augen und siehst an dir runter. Dein Körper ist gestählt, im wahrsten Sinne, denn er besteht aus bläulichem Stahl. So langsam beginnst du die Kriegsfilme zu bereuen, die du oft zum Einschlafen guckst und auch Robocop sinkt in deiner Liste von Lieblingsfilmen auf niedere Plätze, doch was hilft das. Als du hochblickst blickst du in das Gesicht von Officer Anne Lewis, gespielt von Sigourny Weaver, weil ich grad zu faul bin auf Wikipedia nachzuschlagen, wer sie wirklich gespielt hat. Um dich herum hörst du wieder Kugeln zischen und siehst brennende Autos am Straßenrand. „Ah ja, das Detroit der nahen Zukunft", denkst du dir, wobei du stark hoffst nicht am ersten Mai in Berlin gelandet zu sein. Ein Stampfen, dumpf und dröhnend erschüttert den Boden auf dem du liegst, du stehst mechanisch auf um der Bedrohung ins Gesicht zu sehen. Auf dich zu kommt Nemesis, das hässliche Drecksvieh aus Resident Evil mit der Minigun. Gut, dass Resident Evil eh scheiße ist, diesmal ändert sich also nichts an deinen Lieblingsfilmen. Nemesis sieht dich an, du siehst ihn an und zwei Cyborgs denken typische Cyborg-Gedanken: „Target Located“, „Kill, Kill, Kill“. Als Nemesis das Feuer eröffnet tröstet es dich, dass er mit roten Bananen schießt. Auch wenn es dich etwas irritiert, lachst du ihn aus, holst deine Pistole aus deinem Bein. Warum OCP Millionen für deine Rekonstruktion ausgibt und dir dann nur eine Pistole gibt ist die schleierhaft, du willst auch eine Minigun. Missmutig siehst du auf deine Pistole, zuckst mechanisch mit den Achseln und ballerst Nemesis seinen hässlichen Schädel weg. Ketchup spritzt in alle Richtungen und du beginnst den Roboter zu tanzen. Anne Lewis, diesmal gespielt von Nancy Allen, ok, ich hab´s doch nachgeguckt, guckt dich ängstlich an. „Was ist?“, fragst du noch und spürst ein stechendes Gefühl im Kopf. „Gegen rote Bananen bist du doch allergisch, Murphy“; sagt sie noch mitleidig, doch ihre roten Lippen sind das Letzte was du noch siehst, bevor es wieder schwarz um dich wird.
Apropos stechendes Gefühl und Allergien, habt ihr schon mal einen Text gelesen, der aus der Sicht einer Biene erzählt wird? Nein? Ich frag in ´ner Minute nochmal.
Du fliegst über die Schlossgründe von Hogwarts. Es ist Nacht und du fliegst langsam auf das einzige Licht im Umkreis mehrerer Kilometer zu, das schwach eine Gruppe von drei Menschen beleuchtet. Es handelt sich natürlich um Ron, Hermine und Harry. Hermine trägt ein Glas in den Händen in dem ein kleiner Edward Cullen sitzt, der schwach vor sich hin glitzert. Er sieht sehr deprimiert aus. Gut denkst du dir, seien wir mal ehrlich, welcher Mann hier hat nicht schon einmal davon geträumt Emma Watson zu stechen, das hier ist alles völlig normal, doch in diesem Moment stürzt eine winzig kleine Kirsten Steward alias Bella mit abgefucktem Gesichtsausdruck in die Szene, samt Kamerateam, einem Regisseur mit kleinem Klappstuhl samt roter Rückenlehne auf der in Großbuchstaben DIRECTOR steht und einigen Statisten, die jaulend den Verlust ihres Hauptdarstellers beklagen. Harry allerdings, von dem plötzlichen Trubel sichtlich erschrocken tritt auf den winzigen Regisseur, der quiekt und in gelben Schleim zerplatzt wie eine Kakerlake. Mit den heroisch gerufenen Worten: „Ich bin frei“ wächst Bella auf normale Größe an und du denkst, dass dies gerade wohl diese Tiefschlafphase sein muss von der immer alle reden. Trotz der für sie freudigen Situation guckt Bella abgefuckt. Vermutlich dachten die sich beim Casting für die Rolle: Wenn die den ganzen Film so guckt, kann sich jedes 13jährige abgefuckte Mädchen, also so ziemlich jedes 13 jährige Mädchen, mit ihr identifizieren, die nehmen wir. Beim Pokern muss die Frau auf jeden Fall die absolute Bombe sein, jetzt geht sie eher explosiv auf Hermine los. Ron will dazwischen springen, doch Harry, der plötzlich einen italienischen Designeranzug inklusive rot-goldener Krawatte trägt hält ihn davon ab. "NO, YOU NEVER BREAK UP A GIRLS FIGHT", ruft er und du überdenkst auch deinen Serienkonsum in seinen Grundzügen. Derweil hat Bella es geschafft Hermines oder eher Emma Watsons Haare millimeterkurz zu reißen, ja im Traum ist so was logisch, da werden Haare auch schon mal kurz statt ausgerissen, doch damit ist auch für dich, die Biene des Untergangs, im Jahr 2012 auch als Biene Maja bekannt, das Maß endgültig voll und du gehst zum Angriff über, mit gezücktem Stachel rast du auf Bella zu. Während du über die allgemeine Fehlkonstruktion von Bienen und ihre suizidale Tendenz bei frontalen Angriffen nachdenkst, bohrt sich dein Stachel in Bellas Haut und steckt fest. Das Letzte was du siehst, sind ihre dunkelrot lackierten Fingernägel als sie nach dir schlägt, das ewig verwirrte Gesicht Rons und das enttäuschte Gesicht Barney-Harrys im AnZACK.
Und ich erwache, ich gucke zur Seite, es ist Nacht und ich sehe dich wie du langsam und ruhig atmest, sehe deine Brust sich heben und senken in deinem roten Shirt, naja eigentlich meinem roten Shirt, von dem sich ein einzelner Faden gelöst hat, der sich jetzt verspielt um deine Hüfte kringelt und ich denke mir, naja, das mit den Traumwelten, das ist so ´ne Sache. In Wirklichkeit funktioniert das alles leider nur selten so gut wie hier und ich bin froh, jemanden zu haben, neben dem ich nach einer Nacht voller völlig chaotischer Träume aufwachen kann. "Was für eine traumhafte Welt", denke ich noch während ich wieder einschlafe oder wirklich aufwache. Das Ende könnt ihr euch selbst aussuchen.

Samstag, 23. April 2011

This cozy place

Eindeutig einer meiner Lieblingstexte (von mir):
Awakened from your rough pallet you feel the red strings the steel latt floor left in the skin of your back. The manufactured mass produced beds are comfortable to those, who fit the average height, fit the average build, fit the average liking for the average, but for anybody who is not that average, it´s a nightmare without sleep. Deep sleep. Something unknown for so long, you can´t even remember when it has really felt like thinking for the last time. Really thinking freely. In the twilight the world becomes if not given the opportunity of a good nap every twelve hours all your senses are reduced. All your mind is reduced. Caught in a routine you´re not even aware of while you´re following the paths they told you to. You aim for the button of the TV and after hitting the thick air two times, you hear the buzzing sound of electricity doing its work as they told it to.
Everybody is part of the state.
Sure, why not? The TV talks to me. It says it´s happy that I am here, that I listen, that I am safe and alive. Here, in my room, it´s impossible to hurt someone, it´s impossible to start a riot. We´re all safe inside our homes. And outside, there´s the state to look after you.
You are saved.
Oh, I am? That´s nice, right? I am too tired to disagree with everything I can barely read in the papers, the bills and everywhere I go. Everything around me is there to make me calm and docile. They decided that this is better than the riots. As if anybody alive could remember them. The riots. The crash. The big cave-in in the cavern of the order. They say, it all hung in the balance. Anarchy or new world order, you had the choice. Only that nobody asked you. You chose, but nobody was interested in your decision. The decision had already been made.
We´re all welcome in the new order.
Sounds good. Sounds like home. Like you can come and go, as you like. I want to leave now, is that okay? But we have just started, stay a little while longer. They always get me with this. I´m always convinced by their one-line arguments. We´ve done so much for you, why should you go. Don´t know. Just an idea stepping out of a sleepless brain. You exit the door and the first thing you notice is that color, the placards in that color, the banners, the flags everywhere, shining in the sun, sending electromagnetic waves to your brain in the frequency of exactly that color. Their color. It´s everywhere and it says to you:
The individual is small. The state protects everybody. Everybody is responsible.
Break a law and you´re responsible for the punishment. Break half a law and you´re responsible if the states smashes your head in. Metaphorically speaking of course. They have much cleaner methods, to make the streets safe. To secure them for the rest of the people. It´s always a simple equation. Security plus freedom equals constant. Give a little freedom away to get a little security. Give more freedom away to get more security. In dangerous times, you need to give more freedom away than in peaceful ones. Our time is secure. There is no such thing as crime anymore and if there is, there´s nobody left to tell. There are no prisons. You don´t need to guard the new prisoners, because they can´t move on their own anymore, they can´t talk. They are not able to hurt you anymore, they are not able to violate you anymore, they cannot steal anymore, they can´t offend you anymore.
The greater good justifies the means.
A lot of people have disappeared. Who knows who reported them, but he just did his job, his duty to the state that safes him from crime. The color of the poster on every wall stays printed on my retina even when I close my eyes. The blessed guard, the state, never leaves my side. Protects me, wherever I go. He never turns his back on me, as long as I am nice and docile. As long as I follow his path, beaten by so many pairs of feet before me, one tiny human life would not be enough to count them all. I have hardly left the house and I already feel like sleeping again. Sleeping in a warm and cozy and rest-spending bed. I´m protected by that. I´m secured from the danger of thinking. I need a place to sleep. Just the root of an idea in the mush of my brain. Only one way possible. The colors are following me through the streets.
Officer, I committed a crime, I admit it. I can´t live with the guilt anymore. Please take me with you.
The greater good justifies.
Maybe my last resting place won´t be that cozy after all.