Dienstag, 26. April 2011

Diese Stadt

Es folgt ein kleines lyrisches Experiment. Nach wie vor bin ich absolut unfähig darin, Dialoge zu schreiben, die mir auch gefallen. Deshalb ist dies hier im Grunde ein Monolog. Dennoch wollte ich mal einen ersten Schritt in Richtung von dramatischen Texten machen, auch das ist mir misslungen. Der Inhalt des Textes ist auch im Grunde trivial. Was bleibt? Nun ein sprachlich ziemlich schöner Text, komplett durchzogen von Jamben und Trochäen, wobei es hier keine Muster gibt und einem Reimschema, dass wenn ich mich recht erinnere sehr streng ist. Ich hab mir allerdings nach dem Schreiben mal die Wirkung der einzelnen Vierzeiler genauer angeguckt und so viel über die Wirkung von wechselnden Versfüßen gelernt. Außerdem mag ich die Zitate.  Punkt. Genug der Vorrede:


[Im Hintergrund stehen viele Passanten, die teilweise vorbeigehen. Vorne stehen X Männer zu beiden Rändern der Bühne im Dunkeln, Bühne ist allgemein wenig beleuchtet.]
[Ein Mann zitiert nach Nietzsche, Spotlight]
Nie.:       Ich liebe den Wald. In den Städten ist schlecht zu leben: da gibt es zu viele der Brünstigen.
[A. betritt die Bühne und beginnt herumzuwandern.]
A:            Diese Stadt, wohl wahr, sie ist
                Ein Irrenhaus ohne Vergleich.
                Es herrscht das Trauma des Zerfalls
                Hier in des Wahnsinns dunklem Reich.
[Im Hintergrund wird ein Mädchen von einer Gruppe Männern umringt]
Mann:   Komm her meine Kleine, Spiel etwas mit uns.
A:            Wie sonst sollen sie leben
                frisst ihr Herz doch ihre Pein?
                Unter ihrer Rohheit wollen sie
                Doch nur etwas am Leben sein.
[Ein Mann zitiert nach Brecht, Spotlight]
Bre.:      Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
A:            Wer hier redet von Moral?
                Pah, die ist schon längst verschütt´
                Verkauft für ein paar hohle Heller
                Verjagt mit einem dreisten Tritt.
[Passanten stehen im Hintergrund und gaffen.]
A:            Sieh´ sie dir beim Starren an
                Starr doch selbst, die Nase sei gerümpft!
                Sucht das Heil im Schoß des Volk´s
                Seid gewiss, dass nachher keiner schimpft.
[Ein Mann zitiert frei nach der Erklärung der Menschenrechte, Spotlight]
M.R.:     Alle Menschen sind [...] gleich an Würde und Recht.
A:            Klar ist´s: Alle sind die Menschen gleich.
                Doch ist auf seinen Vorteil er bedacht
                Dann zitiert der Mensch dies´ Ausspruch oft
                Denn stets strebt er nach Geld, Besitz und Macht.
                Zeigt mir den Menschen der sich selber schadet
                Zeig mir wie er für einen anderen kämpft!
                Jedermann hat nur sich selbst im Kopf
                Und sonst nur Flaum, die Schreie sind gedämpft.
[Man hört Schreie.]
[Ein Mann zitiert nach Lichtenberg, Spotlight]
Li.:          Die Linien der Humanität und Urbanität fallen nicht zusammen.
[A. blickt sich um, langsam]
A:            An guten Tagen lieb´ ich sie
                Und an den schlechten soll sie niedergehen.
                Ein Trauerspiel ihr lieblich Bild
                So voll und ganz geschwärzt zu sehen.
[Ein Mann zitiert frei nach Antoine de Saint-Exupery, Spotlight]
Exu.:      Mensch sein [...] heißt sich schämen beim Anblick einer Not.
[A. blickt auf die Gruppe]
A:            Taten sag ich, Taten
                schrei ich laut hinaus.
[Macht einen Schritt auf die Gruppe zu, hält inne, dreht sich noch einmal um]
                Diese Stadt, sie frisst sich morgens auf
                und scheißt sich abends wieder aus.
[Stürzt sich in die Gruppe der Menschen, Licht geht gänzlich aus]

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen